Gefährliche Schönheit - die Herkulesstaude

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In Gärten, an Bachläufen und Straßenrändern - immer häufiger sieht man die Herkulesstaude. Eine imposante Pflanze mit gefährlicher Auswirkung für Mensch und Natur.

Ausgehend von Pflanzungen in Botanischen Gärten, Parks sowie durch aktives Ausbringen hat sich die Herkulesstaude in den letzten Jahrzehnten zunehmend verbreitet. Leider nimmt sie immer häufiger größere Flächen als monotone Bestände in Anspruch.

Auch im Bergischen Land ist sie im Begriff, sich massiv auszubreiten. Besonders betroffen sind vom Menschen beeinflusste Lebensräume (Bahnlinien, Straßen- und Wegränder, Ufer- und Überschwemmungsbereiche an Gewässern). In etlichen Bachtälern und ehemaligen Steinbrüchen droht sie zu einem Problem zu werden. Verdrängung von schützenswerten Pflanzengesellschaften in Naturschutzgebieten, aber auch Gesundheitsgefährdung der Menschen sind negative Folgen der Ausbreitung.

 

 

Steckbrief der Herkulesstaude

(Heracleum mantegazzianum)

Die auch Riesenbärenklau genannte, kaukasische Pflanze wird bis zu 4 Meter hoch. Im Gegensatz zum verwandten, heimischen, ausdauernden Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) ist sie eine nur 2 bis 3-jährige Pflanze. Erst im zweiten Jahr blüht sie vor allem in der Zeit Juni bis Juli mit durchschnittlich 15 riesigen, attraktiven Blütendolden.

 

Die jährliche Samenproduktion von bis zu 30.000 Samen je Pflanze bietet sehr gute Voraussetzungen für die Weiterverbreitung; in zwei Jahren kann sich ein Bestand problemlos verdoppeln. Ab Ende Juni/Anfang Juli sind die Früchte reif, und die Pflanze stirbt ab. Kommt eine Pflanze nicht zur Reife (z. B. bei Zerstörung der Stengel), treibt sie wieder aus, um erneut Samen zu erzeugen. Durch besonderen Aufbau fliegen die Samen selbst bei Windstille 2-3 Meter weit. Bei Luftbewegungen (Wind, Luftverwirbelungen z. B. bei Fahrtwind durch Auto oder Zug) können die Samen auch bis 100 Meter weit verwirbelt werden. Verbreitet werden die Samen vermutlich nicht nur durch Anhaften am Tierfell, sondern auch durch Autoreifenprofile oder Verdriftung in Gewässern.

 

Warum bekämpfen?

Vor allem bei Sonnenschein kann das Berühren der Pflanze heftige, verbrennungsähnliche Hautreaktionen bei Menschen wie bei Tieren hervorrufen, da die Pflanze photo-toxische Substanzen enthält. Gefahren bestehen bei Arbeiten im Garten oder bei Freizeitaktivitäten in der Natur. Besonders Kinder sind gefährdet, die in den Herkulesstauden-"Wäldern" spielen oder die hohlen Stängel als Blas- oder "Fern"-Rohre benutzen (Augenverletzungen!).

Durch die enorme Entwicklung der Blattmasse ist die Herkulesstaude so konkurrenzstark, dass heimische Pflanzenbestände an ihren Wuchsstandorten gestört und mit der Zeit sogar vollständig verdrängt werden.

 

 

Wie vorbeugen?

Die weitere Ausbringung der Herkulesstaude in die Landschaft kann vermieden werden, wenn folgendes beachtet wird:

 

 

 

 

 

 

Bekämpfung: Patentrezepte gibt es nicht!

Die Bekämpfung ist langwierig. Mindestens 5-10 Jahre lang müssen mit größter Sorgfalt und Regelmäßigkeit Maßnahmen ergriffen werden, um die Bestände nachhaltig zurückzudrängen.

 

Die wirksamste und ungefährlichste Methode ist das Ausgraben der rübenartigen Knolle (mind. 15 cm tief) während der frühen Wachstumsphase im April/Mai. Nach 2 bis 3 Wochen muss der Erfolg kontrolliert und ggf. nachgearbeitet werden.

 

Während der Blütezeit ist es vor allem wichtig, die Blütendolden vom Stängel abzutrennen (Schutzmaßnahmen beachten!). Beim bloßen Umknicken ist eine weitere Samenbildung nicht ausgeschlossen, da die Blütendolden weiter mit Nährstoffen versorgt werden. Selbst das Liegenlassen der abgeschlagenen Blütenstängel mit Dolden kann noch zur Samennachreife führen. Auf keinen Fall sollten Blütendolden unzerschlagen oder ungehäckselt kompostiert werden! Im zweiten Schritt ist die Beseitigung der Restpflanze und ein Ausgraben der Knolle notwendig.

 

Ist die Samenentwicklung bereits erkennbar, sollten die Dolden seperat z. B. in Eimern oder Säcken gesamelt werden. Die Restpflanze kann beseitigt und die Knollen ausgegraben werden. Im folgenden Frühjahr ist zu kontrollieren und ggf. nachzuarbeiten.

 

Bei gut zugänglichen Einzelvorkommen (z. B. in Gärten) kann der Blüten- bzw. Samenstand auf der Pflanze mittels eiens großen  Plastiksacks verhüllt bzw. eingepackt werden. Der Vorteil: Die Pflanze kommt zur Samenreife und stirb danach ab. Die im Sack aufgefangenen Samen können vorsichtig entfernt und verbrannt werden.

 

Auch die chemische Keule erfordert Zeit!

Das Spritzen von Pflanzenvernichtungsmitteln (Herbiziden) in der freien Landschaft ist außerhalb von land- und forstwirtschaftlichen Flächen generell verboten (Pflanzenschutzgesetz). Ausnahmegenehmigungen kann nur das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Rheinland (Bonn) erteilen. Sollte eine Herbizidanwendung angezeigt und genehmigt sein, wird dringend empfohlen, diese im zeitigen Frühjahr während der frühen Entwicklungsphase der Pflanze, wenn Keimlinge und junger Blattaustrieb sichtbar sind, auszuführen. Die Dauer der Anwendung beträgt mindestens 2 Jahre.

 

Wie wirksam die Mahd der Herkulesstauden ist, hängt stark von der jeweiligen Entwicklungsphase der Pflanze ab. Eine frühe, mehrmalige Mahd ist zwar ungefährlich aber zugleich auch so gut wie wirkungslos.

 

Große Flächen sollten daher im Zeitraum kurz vor der Blüte bis zeitig vor der Samenreife gemäht werden. Dies sollte mehrmals im Abstand von 2-4 Wochen wiederholt werden, da die Pflanzen in ihrer Knolle genügend Nährstoffe als Vorrat angelegt hat, um mehrere Mahdvorgänge zu überstehen und weitere Blüten zu treiben.

 

Das Mähgut sollte von der Fläche abgeräumt, Blüten- und Fruchtbestände sollten grundsätzlich getrennt gesammelt werden, um sie durch geeignete separate Maßnahmen (Zerschlagen, Häckseln, Verbrennen) unschädlich zu machen.

 

Nicht geeignet sind Übererdungen. Selbst eine Erd-Überdeckung von einem Meter kann wieder durchwachsen werden.

 

Da sich meist bereits Samen aus Vorjahren im Boden befinden oder Knollen nur teilweise entfernt werden können, ist eine mehr-jährige Nachsorge und eine Wiederholung der Bekämpfungsmaßnahmen immer unbedingt notwendig.

 

 

Schutzmaßnahmen

 

 

 

 

Erste Hilfe

Bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft sofort die betroffenen Stellen gründlich mit Wasser (evtl. mit Seife) waschen und Sonnencreme auftragen. UV-Bestrahlung (Sonne, Höhensonne) in den folgenden Tagen meiden (langärmelige Kleidung tragen).

Treten starke, verbrennungsähnliche Hautreaktionen auf, wird empfohlen einen Arzt zu konsultieren!

 

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Photo-toxische Substanzen im Pflanzensaft der Herkulesstaude können, in Verbindung mit Sonnen- oder UV-Licht, auf der Haut verbrennungsähnliche Reaktionen bis hin zur Blasenbildung hervorrufen.

(Aus: Roche Lexikon Medizin. Erschienen im Urban & Fischer Verlag, München)

 

Giftnotrufzentrale: (02 28)  2 87 32 11

 

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Eine Broschüre erhalten Sie beim Aggerverband, beim Wupperverband oder bei uns.