MP 3-1 Kupferberg
Schon in den 30er Jahren wies der Heimatforscher Dr. h. c. Albert Schumacher auf die Bedeutung der bergischen Hangmoore hin und beschrieb in einer Veröffentlichung das Hangmoor Kupferberg bei Wipperfürth.
Bei den Hangmooren des Oberbergischen Kreises handelt es sich keineswegs um "echte Moore", sondern um Bereiche, in denen sich teilflächige Pflanzengesellschaften der Moore eingestellt haben. In den auch als Hangquellmoore oder Heidemoore bezeichneten Bereiche lassen sich unbestockte "Moorflächen" von Sumpfwäldern trennen. Letztere bestehen in der Baumschicht in nährstoffärmeren Bereichen im wesentlichen aus Moor- und/oder Karpatenbirke in den nährstoffreicheren aus Schwarzerle. Es ist davon auszugehen, dass die Freiflächen ursprünglich, d. h. ohne Eingreifen des Menschen, mit Sumpfwäldern bestockt waren, die sich in vermutlich ähnlicher Ausbildung auch heute noch vorfinden. In fast allen heute noch vorhandenen Hangmooren liegt eine enge Verzahnung von Sumpfwäldern mit anthropogenen Freiflächen, so auch in Kupferberg.
Die Entstehung dieser Freiflächen geht auf Streuscharre und Plaggennutzung zurück, die im Oberbergischen als historische Waldnutzungsform stellenweise bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts verbreitet waren. Da Stroh als Futterbeigabe diente, wurden Laub, Farn, Gras, Moos und Heide als Streumittel verwendet und anschließend auf die Felder gebracht. Zu diesem Zweck gingen die Bauern von Juni bis Oktober in die "Büsche" und entnahmen z.B. Heidekraut einschließlich der Wurzeln. Die Folge war, dass der auf diese Weise von Nährstoffen verarmte Mineralboden teilweise frei lag. Dadurch konnten sich an Stellen, die natürlicherweise mit Birken- oder Erlensumpfwäldern bestockt waren und ständig von Quellwasser aus Helorkrenalbreichen überrieselt wurden, eine moorähnliche Vegetation ansiedeln. Besonders gut gedeihen auf diesen Standorten Torfmoose. Weil der Moostorf eine gute Streu darstellte, unterlagen die Moore über lange Zeit einer in dieser Form landwirtschaftlichen Nutzung. Gleichzeitig wurden die aufkommenden Stockausschläge als Brennholz verwertet oder der Köhlerei zugeführt.
Die entscheidenden Faktoren für die Ausbildung der Hangmoore sind die Wasserversorgung, die Geologie und die Geländeform. Das Bergische Land ist ein typisches Steigungsregengebiet. Von Norwesten bzw. Westen heran geführte Wolken regnen sich an den Hängen des Bergischen Landes erstmals ab. Aus diesem Grund liegen die jährlichen Niederschlagsmengen je nach Region bis zu 1600 Litern pro Quadratmeter und sichern so die kontinuierlichen Wasserführung der Quellen, die lediglich während längerer Trockenperioden z.T. trocken fallen. Charakteristisch für die Hangmoore ist das auf breiter Front, etwa an einer Hangkante, aus dem Untergrund austretende Wasser.
Ende der 80er Jahre beauftragte der Oberbergische Kreis den Naturschuztbund Deutschland, Kreisverband Oberberg, mit der Aufstellung und Umsetzung von Pflege- und Entwicklungskonzepte für oberbergische Moorbereiche, darunter auch Kupferberg. Es wurde festgestellt, dass zahlreiche, Mitte des Jahrhunderts noch vorhandene Pflanzenarten mittlerweile verschollen waren. Nach umfangreichen Verhandlungen wurden die Eigentümer entschädigt, und das Gebiet konnte langfristig angepachtet werden. Mit Beginn ihrer Tätigkeit übernahm die BSO die Betreuung des geplanten Naturschutzgebietes und setzte die begonnen Arbeiten zur Entwicklung des Hangmoores fort. Dazu zählten neben dem Verschluss weiterer Entwässerungsgräben auch das Abplaggen der ehemaligen Fichtenbestände sowie kontinuierlich Pflegearbeiten wie Mähen. Auf den heutzutage wieder von Quellwasser überrieselten Flächen stellten sich schon nach wenigen Jahren einige der von Schumacher noch nachgewiesenen Pflanzenarten ein, darunter der sehr seltene Mittlere Sonnentau oder die Spaarige Binse.